Die politische Symbolik der Ukraine, der Bukowina und der Stadt Czernowitz / Tscherniwzi und die Statue der "Austria"

 

Ukraine - die große Unbekannte



603.700 qkm, 48 Mio Ew.

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Westukraine - Ostukraine

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Große topographische Vielfalt 

Grunddaten der Ukraine: Fläche 603.700 km², Einwohnerzahl 47.056.163 
                Währung:1 Hrywnja = 100 Kopeken
Allgemeines:: http://de.wikipedia.org/wiki/Ukraine     http://www.ukraina.at 
Ukrainische Botschaft: http://www.ukremb.at/

  Geschichtlicher Überblick  


   09.-10. Jh.   Kyiwer Rus. Das mittelalterliche Reich vereinigt die Ostslawen von der Ostsee bis zum 
                        Schwarzen Meer und von der Wolga bis zur Theiß.
   12.-14. Jh.   Das Fürstentum Galizien-Wolhynien. Blütezeit im 13. Jh. unter Fürst Danylo. 
                        Mitte des 14. Jahrhunderts wird das Fürstentum zwischen Polen und Litauen aufgeteilt
   1569            Polnisch-litauische Realunion von Lublin: Fast die ganze Ukraine kommt an das Königreich Polen
   1596            Kirchenunion von Brest: Spaltung der orthodoxen Kirche in Polen-Litauen und Entstehung der   
                        unierten  Kirche.
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   1648/54       Befreiungskrieg unter Führung vom Hetman Bohdan Chmelnyzkyj. Die Gebiete östlich vom 
                        Dnipro geraten nach und nach unter direktes Protektorat Russlands
   1772            Erste Teilung Polens: Galizien fällt an Österreich  
   1793            Zweite Teilung Polens: Die rechtsufrige Ukraine fällt an Russland 
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   1917/18       Ukrainische Volksrepublik - Westukrainische Volksrepublik
   1918/22       Bürgerkrieg in der Ukraine. Die Ukraine wird Bestandteil der UdSSR. 
                         Die Gebiete im Westen der Ukraine werden zwischen Polen, Ungarn und Rumänien aufgeteilt 
   1932-33       Hungersnot nach der Zwangskollektivierung durch das Stalin-Regimes mit 6-7 Millionen Toten
   1939             Eingliederung der Westukraine in die Sowjetunion nach dem Hitler-Stalin-Pakt  
   1941-44       Im Zweiten Weltkrieg wird die Ukraine durch deutsche Truppen besetzt.  
   1954             Die Krim kommt zur Ukraine
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   16. Juli  1990    Das Parlament (Werchowna Rada) verkündet die Souveränität der Ukraine  
   24. Aug 1991   Unabhängigkeitserklärung der Ukraine

          
Nationale Traumata im 20. Jahrhundert  

 

Holodomor (wörtlich: Hunger-Seuche): 1932/33: Als Maßnahme gegen ukrainische Unabhängigkeitsbestrebungen befiehlt Stalin, die gesamte Ernte zu beschlagnahmen und die ukrainische Landbevölkerung von der Lebensmittelversorgung abzuschneiden. Bis zu 7 Millionen Ukrainer verhungern, ohne dass die Weltöffentlichkeit von diesem Genozid Notiz nimmt. 
Gedenktag
ist der  letzte Samstag im November.

Bykovnya ist ein Vorort von Kyjiw. In einem Pinienwald ("Darnitsa") wurden 1937 mehr als 100.000 Opfer des stalinistischen Terrors in Massengräbern verscharrt. Bis 1988 hatte die offizielle Sowjetunion behauptet, es hätte sich um "6.329 Sowjetsoldaten, Partisanen und Mitglieder der Untergrundbewegung gehandelt, die von den Nazi-Besatzern 1941-43 umgebracht worden waren."

Deutsche Wehrmacht und SS
verursachten in der Ukraine 5-7 Millionen Tote; die Städte und die  Wirtschaft wurden fast völlig zerstört. Über eine Million Ukrainer wurden zur Zwangsarbeit Richtung Deutschland deportiert. Sie wurden durch den Tryzub gekennzeichnet.

Babyn Jar (Weiberschlucht)
: Am 29. und 30. September 1941 wurden in einer Schlucht im Stadtgebiet von Kyjiw mehr als 33.000 Juden durch Maschinengewehrfeuer ermordet, gefolgt von weiteren regelmäßigen Massenerschießungen mit etwa 70.000 Toten aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen. 

Krimtataren:
Im Mai 1944 wurden 200.000 Tataren aus der Krim deportiert, nachdem ihnen Stalin Kollaboration mit den Nazis vorgeworfen hatte. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 war eine Rückkehr möglich.

Kollaboration:
Eine Teilgruppe der 1930 in Wien gegründeten Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die sich mit zwei Bataillonen ("Roland" und "Nachtigall") 1941 den einmarschierenden deutschen Truppen unter dem Tryzub anschloss, in der Hoffnung, so die Befreiung vom Sowjetjoch erwirkenzu können. Dies gelang jedoch nicht - Galizien wurde Teil des deutschen Generalgouvernements und der Süden fiel an Rumänien. Stepan Bandera und seine Mitkämpfer wurden verhaftet.

Tschornobyl:
 Am 26. April 1986 ereignete sich in der Stadt Prypjat (im Norden von Kyjiw) nach einem misslungenen Experiment eine katastrophale Kernschmelze und Explosion im Kernreaktor Block 4. Etwa 400.000 Personen mussten aus der 30-km-Zone umgesiedelt werden. Rund 4.000 Personen sterben an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung. 

Von großer symbolischer Bedeutung ist der Umstand, dass "Tschornobyl" übersetzt "Wermutkraut" heißt - und in der Johannes-Apokalypse heißt es: "Der dritte Engel blies seine Posaune. Da fiel ein großer Stern vom Himmel; er loderte wie ein Fackel und fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Quellen. Der Name des Sterns ist "Wermut". Ein Drittel des Wassers wurde bitter, und viele Menschen starben durch das Wasser, weil es bitter geworden war." (Off. 8, 10-11)

 

 

1. Symbole der Ukraine

Die Nationalflagge der Ukraine besteht aus zwei horizontalen Streifen, von denen der obere blau und der untere gelb ist.

 

Die Farben Blau und Gelb gehen zumindest auf die Heraldik des Fürstentums Galizien-Wolhynien (1312-1569), wenn nicht auf eine noch frühere Periode zurück. In moderner Zeit wurden sie nach dem ersten Weltkrieg in unterschiedlicher Reihenfolge verwendet. Nach der Proklamation der Unabhängigkeit am 24. August 1991 (seither Nationalfeiertag) wurden die Farben Blau-Gelb mit Gesetz vom 28. Jänner 1992 als Nationalflagge angenommen. 

Es fällt auf, dass die Ukraine im Gegensatz zu den meisten slawischen Völkern die Kombination aus Rot, Blau und Weiß nicht verwendet. Gerne interpretieren die Ukrainer ihre Farben als das Blau des Himmels über dem Gold der Weizenfelder. Farbpsychologisch interessant ist, dass Blau und Gelb als (heraldische) Grundfarben gemeinsam der Farbe Rot entgegenstehen. 

Die Farben Blau-Gelb gehen bis auf die Kosakenzeit zurück. Manche Historiker behaupten jedoch, dass die ukrainischen Farben skandinavischen Ursprungs sind. Die ersten Fürsten Kiews waren ja keine Slawen sondern Waräger ("Varinger" = Wikinger, Eidgenossen). Es war dies die Bezeichnung für Normannen, die ihre Raubzüge von "Rhos" (Schweden) aus unternahmen und einen Handelsweg vom Finnischen Meerbusen bis zum Schwarzen Meer einrichteten. Im Süden führte diese Handelsroute am Dnipro entlang - mit 2.285 km ist er der drittlängste Strom Europas (nach Wolga und Donau). Er teilt die Ukraine in  einen "linksufrigen" und einen "rechtsufrigen" Teil. Im 9. Jahrhundert unterwarfen sich die slawischen Völker mehr oder weniger freiwillig den Warägern: Der erste in der Geschichte erfasste Kiewer Fürst war Oleg oder Oleh (882-912), dann Igor (912-945), Olga (945-946) -  jedenfalls alle mit warägischen Namen benannt. Der Name Rus` hat somit keinen slawischen sondern einen normannischen Ursprung. 

 


FarbschemaWappen der UNR

In verschiedenen Formen ab 1919 

In sowjetischer Zeit (1949-1991)

Die orange Revolution

Eine ganz andere Farbe, nämlich Orange, die Zwischenfarbe zwischen Gelb und Rot - spielte eine große Rolle in den Auseinandersetzungen um die Präsidentschaftswahlen im November 2005, aus denen schließlich Wiktor Juschtschenko als Sieger hervorging.


Wiktor Janukowitsch Ergebnisse des 3. Wahlganges   Präsident W. Jutschtschenko


Das Wappen der Ukraine ist in blau ein goldener Dreizack. Auf einer Briefmarke aus dem Jahr 2000 sind unter dem Wappen und den Farben die Insignien des Präsidenten dargestellt: die Standarte, der Amtsstab, das Siegel und die Amtskette. 

Das zentrale politische Symbol der Ukraine ist der Tryzub (Dreizack, auch Dreizahn). Das an das bekannte Attribut Poseidons erinnernde Zeichen geht nicht auf die Seefahrt, sondern  auf die Herrscherfamilie der Kiewer Rus unter Fürst Wladimir (962-1015) zurück. Er findet sich bereits auf Münzen dieser Zeit. Es ist ungeklärt, ob es sich dabei ursprünglich um eine Waffe, einen Anker oder ein Kreuz handelte. Manche Wissenschafter sehen im Dreizack auch einen nach unten stürzenden Vogel, der aus der Zeit der Chasaren stammen könnte, deren Einflussbereich sich um 850 n.Chr. im Westen bis and den Dnipro, also bis Kyjiv erstreckte, bis sie 996 von der Kiewer Rus unterworfen wurden. 

Nach Verwendung durch die Kosaken im 17. Jahrhundert  kommt der Dreizack zum ersten Mal - wenn auch nur für ganz kurze Zeit - 1918 in das Wappen der Ukrainischen Volksrepublik (vgl. die Briefmarken weiter unten). 

Der Dreizack erweckt bei manchen geschichtsbewussten Ukrainern allerdings gemischte Gefühle, weil er auch das Symbol der sogenannten Bandera-Bewegung war. Dies war eine Teilgruppe der 1930 in Wien gegründeten OUN, der Organisation Ukrainischer Nationalisten, die sich mit zwei Bataillonen ("Roland" und "Nachtigall") 1941 den einmarschierenden deutschen Truppen anschloss, in der Hoffnung, so die Befreiung vom Sowjetjoch erwirken zu können. Dies gelang jedoch nicht - Galizien wurde Teil des deutschen Generalgouvernements und der Süden fiel an Rumänien. Stepan Bandera und seine Mitkämpfer wurden verhaftet.  

Ein traurige Funktion erfüllte das nunmehrige Nationalsymbol der Ukraine in der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft: es diente zur Kennzeichnung ukrainischer Zwangsarbeiter und KZ-Insassen, die dieses Zeichen wie einen Judenstern aufgenäht tragen mussten. 


Projekt eines Großen Staatswappens

In Planung aber auch in Kontroverse ist das  Projekt eines großen, dreiteiligen Staatswappens. In der Mitte würde sich der goldene Dreizack auf blauem Schild befinden. Heraldisch rechts sieht man als Schildhalter einen gekrönten Löwen. Dieser geht auf das Stadtwappen von Lemberg / Lwiw zurück. Der andere Schildhalter ist ein Kosak, der eine Muskete über die linke Schulter trägt. Die im geplanten großen Wappen enthaltene Devise „Freiheit, Einheit, Wohlstand“ über den beiden Weizenähren wird gerne wie folgt interpretiert: 

- Freiheit erinnert an das Freiheitsstreben der Kosaken,
- Einheit symbolisiert die Kyiwer Rus', als die heutigen Gebiete der Ukraine vereint waren, und 
- Wohlstand steht für den ökonomischen Aufstieg der Ukraine. 

Unten in der Mitte sieht man eine stilisierte Tscherwona Kalina (roter Schneeball). Diese Pflanze gilt als die nationale Blume der Ukraine. Der Entwurf des großen Wappens steht insgesamt für den Versuch, westliche und östliche heraldische Elemente zu vereinen.


Der L
öwe findet sich seit dem 13. Jahrhundert im Stadtwappen von Lemberg /
Lwiw (= Löwe). Die Stadt wurde durch den galizischen König  Danylo (1201-1264) nach seinem Sohn Lev benannt. 

Lemberg in der Monarchie In der sowjetischen Periode Waffen-SS-Division "Galizien" In der freien Ukraine seit 1991


Ein Grund, warum es Zweifel in der Eignung des Löwensymbols für das große ukrainische Staatswappens gibt, liegt in dem Umstand, dass die
14. Waffen-Grenadier-Division der SS „Galizien“ den Löwen als Abzeichen führte. Zwar ist ziemlich sicher, dass diese Einheit, die noch im April 1945 vor Graz kämpfte, nicht  in Kriegsverbrechen verwickelt war, aber ein schaler Nachgeschmack bleibt doch.  

Das Bild des Kosaken wird auf den Hetman Razumovs'kyj zurückgeführt, der in der Zeit der Zarin 
Katharina II. (1729-1796) ein gewisses Maß an Unabhängigkeit von Russland erkämpfen konnte. 
Der Kosakenmythos ist im nationalen Denken der Ukrainer tief verwurzelt, was sich auch aus der ukrainischen  Nationalhymne (siehe weiter unten) ablesen lässt. Die ukrainischen Kosaken werden auch als Zaporoger bezeichnet (nach der Region Zaporizzja = "hinter den Schwellen", d.h. südlich der Dnipro-Stromschnellen). Sie waren strikt mit der orthodoxen Religion verbunden. Ihr von der Vollversammlung gewählter Anführer wurde "Hetmann" genannt. Als Zeichen seiner militärischen Befehlsgewalt führte er die bulava, eine Art Szepter (vgl. die Insignien des heutigen ukrainischen Präsidenten) und den buncuk, den Kommandostab mit Ross-Schweif der Tataren. In seiner Novelle "Taras Bulba" hat N. W. Gogol den Kosaken ein literarisches Denkmal gesetzt. 

 

Die Nationalhymne der Ukraine

Noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben,
Noch wird uns, junge Landsleute, das Schicksal gewogen sein.
Unsere Feinde werden vergehen wie Tau im Sonnenschein,
Und wir werden in unserem Lande, Brüder, selber die Herren sein.
 
Refrain: Seele und Leib setzen wir für unsere Freiheit ein
Und zeigen, Brüder: Wir sind vom Kosakenstamm.
 
Auf, Brüder, zum blutigen Kampf vom Sjan bis zum Don,
In unserm Heimatland soll kein Fremder mehr herrschen.
Das Schwarze Meer wird einst lächeln, der greise Dnipro sich freuen.
Unsere Ukraine sieht einem guten Geschick entgegen.
 
Refrain: Seele und Leib ...
 
Unser Eifer, gute Arbeit werden Früchte bringen, 
Überall in der Ukraine werden frohe Lieder der Freiheit erklingen,
Über die Karpaten hinaus und durch die Steppen schallen.
Der Ruhm der Ukraine wird sich in alle Ferne verbreiten.
 
Refrain: Seele und Leib...
 

Die Melodie der Hymne der Ukraine stammt aus der Feder eines aus der Westukraine stammenden katholischen Priesters,  Mychajlo Werbyzkyi (1815-1870), der sie 1863 komponierte. Sie war als Vertonung des 1862 in der Verbannung in Archangeljsk verfassten patriotischen Gedichtes "Die Ukraine ist noch nicht tot" des aus der Gegend von Kiew / Kyjiw stammenden Ethnographen Pawlo Platonowytsch Tschubynskyi (1839-1884) gedacht. Das bald im ganzen Land gesungene Lied ähnelt in Melodie und Text der polnischen  Nationalhymne (1797). Ab 1917 als  Nationalhymne gesungen, wurde diese in der sowjetischen Zeit jedoch wieder abgeschafft.  Nach Erlangen der Unabhängigkeit (Souveränitätserklärung der Ukraine am 16. Juli 1990; Unabhängigkeitserklärung am 24. August 1991) wurde das Lied 1992 zur offiziellen ukrainischen Nationalhymne erhoben. 

Insbesondere wegen der als pessimistisch empfundenen Anfangszeile des ursprünglichen Gedichts ("Noch ist die Ukraine nicht gestorben, noch leben ihr Ruhm und ihre Freiheit") gab es Bestrebungen, einen neuen Text zu finden. Wie dies in ähnlichen Fällen vorzukommen pflegt, waren diese Bemühungen aber nicht von Erfolg gekrönt. So wurde 2003 vor allem die erste Zeile modifiziert (siehe oben). Interessant ist die im Refrain ausgedrückte starke Verbindung mit dem Kosakenmythos - der Hinweis auf das brüderliche Zusammenleben in den Kosakenstämmen. Offiziell gesungen wird nur die erste Strophe, wobei der Refrain wiederholt wird. 

Tonbeispiele der Ukrainischen Nationalhymne:

Instrumentalversion 1 (472 k .mp3)

Instrumentalversion 2 (1,6 MB .mp3) 

Vokalfassung (gesungen vom Schweizer Rechtsanwalt Michael Sauser, 1 MB .mp3)


Der ukrainische Nationalfeiertag


Der erste Kongress der ukrainischen Intellektuellen im September 1991 begann mit dem Lied der ukrainischen Freiwilligenverbände, die im Ersten Weltkrieg an der Seite Österreich-Ungarns gegen die Zarenarmee kämpften. Darin wird der Rote Schneeball, der schon über Kosakengräbern gepflanzt worden war, als Symbol der trauernden Heimat besungen. 

Das religiöse Lied "Gott, du großer, einziger, bewahre uns die Ukraine" (Boze Velykyi, Jedynyj, Nam Ukrajinu chrany"), das O. Koinys'kyj vor rund 100 Jahren schrieb, wurde von Mykola Lysenko vertont.

 

Die ukrainische Währung 

Seit der Währungsreform im September 1996 die Währungseinheit der Ukraine die Hrywnja  (ukrainisch Гривня / Hrywnja; russisch Griwna). 1 EUR = rund 7 Hrywnja. Nicht alle Münzen und Scheine tragen das Staatswappen, auf den beiden folgenden Beispielen ist es jedoch sichtbar:  


Der Tryzub auf Briefmarken

Grivna Stamp
Russland 1909-1917,
überstempelt Aug. 1918
Volksrepublik Ukraine, Jänner 1919. 
Die Marken kamen jedoch nicht zum Einsatz.



Flagge und Wappen (1992), 
Ukrainische Diaspora in Österreich (1992), 
griech.-kath. Kirche St. Barbara 
in der Wiener Postgasse (2005)

Ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der ukrainischem Identität war und ist die Traditionspflege der vielen Millionen ausgewanderter oder im Ausland vorübergehend arbeitender Ukrainerinnen und Ukrainer.

 

Dies ist ein weiteres Beispiel einer österreichisch-ukrainischen Gemeinschaftsausgabe: 
750 Jahre Lwiw/Lemberg


Die ukrainische Sprache
 

Lange Zeit galt das Ukrainische als ein „kleinrussischer“ Dialekt der „großen“ russischen Sprache. Besonders die Oberschichten blickten auf das „bäuerliche“ Idiom verächtlich herab. Erst im 20. Jahrhundert setzte sich die ukrainische Sprache wirklich durch – als wichtiges nationales Kennzeichen und Mittel der Identitätsfindung. 

Seit 1991 ist Ukrainisch Staats- und Amtssprache, wobei aber das Russische in den östlichen Landesteilen und in Kiew / Kyjiw / Kijew  weiterhin viel gesprochen  wird. Infolge der Sowjetisierung hatte sich auch eine Mischform der beiden Sprachen entwickelt, der sogenannte Surschyk. Wenn diese Verschmelzung zweier aus der selben slawischen Urform hervorgegangener Sprachen auch auf dem Rückzug ist, so ist sie doch ein interessantes Phänomen der
uns immer wieder begegnenden "Brückenfunktion" der "zwischenpositionellen" Ukraine. Das Thema der eigenständigen ukrainischen Sprache ist ein weiterhin nicht abgeschlossenes Element  der Identitätsdiskussion.  

Im Hinblick auf die in der Ukraine lebende starke russische Minderheit (17% national, 60% auf der Krim, 20 - 40% im Osten des Landes) ist der Schutz der russischen Sprache und Kultur jedoch in der Verfassung festgeschrieben.

Vom Russischen unterscheidet sich das Ukrainische in Wortschatz, Satzbau und Lautbildung. So werden etwa die Vokale "e" und "o" in geschlossenen Silben zu "i" , ebenso wird  "je" zu "i". Hier ein paar transkribierte Beispiele:  

Russisch  

Ukrainisch 

Deutsch  
Tschernovcy   Tschernivci   Czernowitz  

Lvov  

Lviv   Lemberg  
Most   Mist  

Brücke  

Koschka

Kischka 

Katze
vosem visim acht  
Chljeb Chlib   Brot  
Mjesjaz Misjaz Monat

Noch bis ins 20. Jahrhundert nannten die Russen die Ukrainer, ihre "jüngeren Brüder", Chochol ("Schopf"), während umgekehrt die Ukrainer zu den Russen Kacap (mit einem Spitzbart kak cap - wie ein Ziegenbock) sagten. 

Zum Sprachproblem vergleiche:
http://blog.kievukraine.info/2007/02/tolerance-reduces-need-for-russian.html

Hauptvertreter der ukrainischen Literatur

      Taras Schewtschenko (1814-1861) wird in der Ukraine als die bedeutendste historische und      
      literarische Gestalt verehrt. War 10 Jahre nach Kasachstan verbannt. Gedichte, wie Sapowit 
      ("Vermächtnis") aus seiner Gedichtsammlung Kobsar (=wandernder Kobsa-Spieler) sind bis heute 
      im Bewusstsein aller Generationen und Gesellschaftsschichten tief verankert.

       Iwan Franko (1856-1916), westukrainischer Publizist und Universalgelehrter, studierte in Wien,   
       schrieb deutsch, polnisch und ukrainisch. Gedicht Kamenjar (=Steinbrecher).


       Jurij Fedkowitsch (1834-1888), bukowinischer Dichter huzulischer Herkunft, schrieb als k.u.k.  
       Offizier zunächst deutsch, ab 1860 aber ukrainisch.

       Wassil Stus (1938-1985), bedeutender Lyriker und Übersetzer, starb im berüchtigten Kältelager von 
       Kucino, in das er wegen seiner Proteste gegen die Russifizierungspolitik Breschnews gerbracht worden 
       war. 

       Juri Andruchowytsch (geb. 1960), westeuropäisch orientierter Essayist und Romancier aus  
      
Iwano-Frankiwsk, dem früheren Stanislaus. „Zwölf Ringe“ (2005), Preis der Leipziger Buchmesse 
       2006 (Europa-Rede).


Eurovision Song Contests 2004 (Istanbul)
und  2005 (Kiew)

Mit der Rekordpunkteanzahl von 280 Punkten gewann 2004 die Ukrainerin Ruslana Lyzhichko  souverän den 49. Eurovision Song Contest in Istanbul mit Ihrer super Performance "Dikiye Tantsy" (Wild Dances).

Der 50. Eurovision Song Contest fand am 19. und 21. Mai 2005 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt. 
Der Veranstaltungsort war der Sportpalast (Palats Sportu) in der Kiewer Innenstadt. Präsentiert wurden die Sendungen von den Moderatoren Mascha Jefrosinina und Pawlo Schilko, der in der Ukraine unter seinem Künstlernamen DJ Pasha bekannt ist und im letzten Jahr die Wertung seines Landes verlas. Der erfolgreiche ukrainische Boxer Wladimir Klitschko und die Vorjahressiegerin Ruslana führten zudem Interviews im Greenroom und vergaben die Siegertrophäe. Gewinnerin war Elena Paparizou, die für Griechenland mit dem Lied My Number One antrat. Der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko überreichte der Gewinnerin persönlich ein Eurovisions-Zeichen aus 500 Gramm Gold.

Der Mittelpunkt Europas 

Ein vielleicht eher kurioses Symbol, dem aber doch eine gewissen politische Bedeutung bei der Hinwendung der Ukraine zu (West) Europa zukommt, ist der 1887 errichtete kleine Obelisk im Städtchen Rachiv (etwa 200 km westlich von Czernowitz). In dieser Zeit wurden im Zuge des Baues der Eisenbahnlinie Rahó–Szeged Vermessungsarbeiten durchgeführt. Im Verlauf dieser Arbeiten stellten die Ingenieure fest, den geographischen Mittelpunkt Europas eingemessen zu haben. Nach gründlicher Überprüfung bestätigten Wiener Wissenschaftler diese These. Die berechneten Koordinaten sind 47º 56' 3" nördlicher Breite und 24º 11' 30" östlicher Länge. 

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Der Text der lateinischen Inschrift lautet:

LOCUS PERENNIS
DiliGentissime cum libella librationis quae est in Austria et Hungaria 
confecta cum mensura gradum meridionalium et parallelorum 
OVUM ("OURM")  europ
eum  MD CCC LXXXVII. 

(Text wurde golden ausgezogen, offenbar fehlerhaft - jedenfalls völlig falsch in der Wikipedia)

Links oben eine Tafel des sowjetischen Vermessungsamtes: "Punkt des staatlichen 
Geodäsienetzes mit historischem Wert, wiederhergestellt 1986"

Der Mittelpunkt Europas wird an verschiedenen anderen Orten angenommen, vgl. hiezu Artikel und Karte

Mittendrin 
... Hauptmann Netuschill vom k. k. militärgeographischen Institut zu Wien vermaß 1887 mit seinen Ingenieuren den Kontinent und stellte fest, dass die exakte Mitte Europas im toten Winkel der ukrainischen Waldkarpaten, nahe der Kleinstadt Rachiv liegt. Hundertvierzehn Jahre später - ein Besuch. Am Straßenrand, 47° 58 Minuten nördlich des Äquators, 24° 12 Minuten östlich von Greenwich steht ein Braunbär. Gegen ordentliche Bezahlung übersetzt er die Inschrift auf dem Gedenkstein: „Locus perennis ... der ewige Ort“.Sergej besitzt als Einziger in der Region eine Sofortbildkamera. Im Bärenfell schwitzt seine Frau. Im Sommer warten sie auf Touristen, die sich im Zentrum Europas fotografieren lassen wollen - meist vergebens. 
Auf der „Straße des Friedens“ steht ein Kiosk. Darin die schlohweiße Raja. Sie ist klein, alt und nach eigenem Bekunden „Mitteleuropäerin“.In Österreich geboren ging sie in der Tschechoslowakei zur Schule, gebar in Ungarn einen Sohn, schlug sich in der Sowjetunion als Näherin durch und verbringt nun ihren Lebensabend im ukrainischen Kiosk. Bewegtes Leben? „Nie rausgekommen aus der Mitte Europas“, sagt die alte Raja. Nur die Besatzer haben in Rachiv gewechselt, öfter als irgendwo sonst in der Welt.Wenn man sie nach der „Mitte“ fragt, lächelt die Alte und deutet auf ihre Armbanduhr. Sie zeigt acht Uhr. Auf dem gesamten Staatsgebiet der Ukraine ist es aber offiziell bereits zehn - Kiewer Zeit.„Nicht für uns in Rachiv. Wir haben europäische Zeit“.

Ein Besucher erklärt: „Hier leben Zigeuner, Polen, Deutsche, Moskitten (Russen), Italiener und Juden.“ Sein Nachbar unterscheidet lediglich zwischen „Ukrainern und dem Rest“. 

Ernest Neumann (90) ist der letzte Chassidim in Rachiv. Er spricht neun Sprachen. Wenn er von »de Jidden« erzählt, von Vertreibung und Mord, vom Ende einer europäischen Kultur, dann spricht er deutsch.1940 von ungarischen Nazikollaborateuren verhaftet, entkam er, floh bei Jassinja über die Grenze in die Sowjetunion und landete als „deutscher Spion“(!) in einem Straflager bei Workuta am Polarkreis.Als er 1947 zurückkehrte gab es keine Juden mehr in Rachiv:„Ich hab im ganzen Leben gewollt nicht anders, als weg von de Mitten Europa.“ Neumann blieb…

aus: Stanislaw Mucha, Die Mitte (Film 90 Min., 2004) --> pdf (16 Seiten 1MB)

 

2. Symbole der Bukowina



Geschichtlicher Überblick

Zunächst Teil des selbständigen Fürstentums Moldau, 14.Jh. türkisch, später teils polnisch, teils russisch.
Nach der Erwerbung Galiziens 1774 von Österreich besetzt,  1775 von der Pforte an Österreich abgetreten.
Ab 1786 Teil des Königreiches Galizien, 1848 selbständiges Kronland
1919 kam das Land an Rumänien.
1944 wurde die Nord-Bukowina von den Russen besetzt.
1947 trat Rumänien dieses Gebiet samt Czernowitz an die Sowjetunion ab. 
1991 Teil der unabhängigen Ukraine.

Historische Hauptstadt: Czernowitz.
Fläche:  10.041 km² mit 730.000 Einwohnern (1910).
Bevölkerung:  Ukrainern, Rumänen, Juden. 1910 ca. 21% Deutsche

Die Heraldik 

In der Antike gehörte das Gebiet der Bukowina (= Buchenland) zur römischen Provinz Dakien. Ludwig der Große von Ungarn (1326-1382) vertrieb die Mongolen aus dem Land. Die ungarische Herrschaft in der Bukowina dauerte aber nur von 1342 bis 1348. In der Folge bildete die fast unbesiedelte Bukowina einen Teil des selbständigen Fürstentums Moldau, welches um die Mitte des 15. Jahrhunderts unter die türkische Oberhoheit gelangte. Der Norden war bis 1499 polnisch und wurde erst in diesem Jahr mit der Moldau vereinigt. 1768 bis 1744 besetzten die Russen die Bukowina. Nach der Erwerbung Galiziens war die Bukowina für Österreich von großer strategischer Bedeutung. Aus diesem Grunde  besetzten 1774 österreichische Truppen das Land. 1775 wurde es von der Pforte an Österreich abgetreten, wobei Bestechungsgelder eine große Rolle spielten. Von 1786 an war es als Czernowitzer Kreis Teil des Königreiches Galizien. 1848 wurde das Herzogtum ein selbständiges Kronland und erhielt 1862 ein eigenes Wappen. 1919 kam das Land an Rumänien. 1944 wurde die Nord-Bukowina (der Teil nördlich des 48. Breitegrades) von den Russen besetzt. 1947 trat Rumänien dieses Gebiet samt Czernowitz an die Sowjetunion ab. 

Das Wappen der Bukowina (1848-1918) war von Rot und Blau gespalten und mit einem schwarzen, ausgerissenen, silbergehörnten, rotbezungten, von drei goldenen Sternen begleiteten Kopf eines Auerochsen (Büffels) belegt.

Wappen nach H. G. Ströhl  Darstellung im Wiener Justizpalast Wappen nach Franz Gall

Der Auerochsen- oder Büffelkopf war das alte Symbol des Moldaufürstentums. Einer rumänischen  Legende zufolge geht dieses Zeichen auf eine Auerochsenjagd zurück, die der Wojwode Drago (14. Jh.) abhielt. Bei dieser Jagd wurde seine Hündin Molda tödlich verletzt, worauf der Heerführer einen Fluss nach ihr benannte, von welchem sich später der Name des Fürstentums Moldawien (rum. Moldawa) ableitete. Nach einer anderen Version der Legende wurde der Wojwode von 300 Männern begleitet, die später das Dorf  Boureni (von Bour = Auerochs) gründeten, die erste Ansiedlung des Fürstentums. 

Rekonstruierte Flagge der Moldau (14.-19.Jh) Rekonstruierte Flagge  der Moldau (um 1858)

Dieses Motiv  findet sich bis auf den heutigen Tag in den offiziellen Wappen der Region:

 Rumänien  Radauti / Radautz (Rumänien) Moldawien

Umgekehrt hat sich die ursprüngliche Symbolik der Bukowina, das Buchenlaub, im Wappen von Stadt und Umland der ehemaligen Festung Chotin am Dnestr (der Sage nach hatten die türkischen Angreifer die Tochter des Stadtkommandanten in der Stadtmauer eingemauert), in der Symbolgeschichte der Stadt Czernowitz (siehe Wappen der Sowjetzeit unten) und im Wappen des heutigen Regierungsbezirkes von Czernowitz (Chernivets'ka oblast).

Umland
Wappen der Umgebung von Chotin Wappen der Stadt Chotin Wappen des Bezirkes von Czernowitz 

Das Wappen des Umlands  von Czernowitz stammt von O. Kryvorychko. Es enthält rechts das halbe Wappen der Stadt ohne Dreizack, links in Grün drei Bucheckern und ist von Buchenzweigen mit herbstlich-braunem Laub umrahmt, das von blau-gelben Bändern zusammengehalten wird. 
Der Falke, der das Wappen des
Chernivets'ka Oblast krönt, stammt von einer alten slawischen Keramik. 

àZum Gesamtthema Bukowina vgl. die instruktive Website http://bukowina.info 


3. Symbole der Stadt der Stadt Czernowitz / Tscherniwzi


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Einen großen Plan der heutigen Stadt Tscherniwzi finden sie hier

Siegel und  Wappen 

Die österreichische Periode  (1775 -1918)

Die Stadt Czernowitz erhielt bereits 1784 ein eigenes Wappenzeichen: ein silbernes offenes Stadttor  mit sieben Zinnen, über welchem acht Steine in zwei Reihen schweben. Im Stadttor einen einfach gekrönten Doppeladler, die Brust mit dem österreichischen Bindenschild belegt, darunter zwei gekreuzte Lorbeerzweige. Die Zeichnung dieses Siegels  findet sich auf der äußerst informativen Website http://bukowina.info mit der Umschrift  "Czernowizer Stadt Sigel 1784". Dort wird auch die folgende Siegelkapsel präsentiert: 

Siegelkapsel

Die  Website "Civil Heraldry" des Niederländers Ralf Hartemink zeigt eine Wappendarstellung, die dieser Form relativ nahe kommt (der Unterschied liegt in der Zahl der Zinnen und Steine).

Nach der Abbildung in Meyer's Konversationslexikon von 1895 und nach der Darstellung im Buch "Städtewappen von Österreich-Ungarn" von H. G. Ströhl (1904) hatte das Stadttor nur fünf Zinnen, dafür aber schwebten über ihm sieben bzw. zehn Steine in zwei Reihen. 

altes Czernowitz

Wappen nach Hartemink   Wappen nach Meyer's 1895 Wappen nach H. G. Ströhl 1904 Nach http://heraldry.com.ua

Die tatsächliche Entstehungsgeschichte des letzten Wappens der Stadt Czernowitz vor 1918 ist etwas kompliziert. Sie geht auf den Wunsch der Stadt zurück, aus Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs I., - und vor der 500-Jahrfeier - eine neue Stadtfahne anzuschaffen. Da eine geeignete Vorlage dafür nicht aufzufinden war, wurde im Wege eines Ansuchens in Wien eine neue Wappenzeichnung geschaffen, die am 20. Juni 1908 offiziell gewährt wurde. Dr. Michael Göbl vom Österreichischen Staatsarchiv hat den genauen Vorgang und die Beschreibung des Wappens dokumentiert. Der Vorgang kann hier nachgelesen werden
Und so sah das Wappen aus:

 Wappen von Czernowitz aus dem Jahr 1908
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Die rumänische Periode (1918 -1940)

Das Wappen von Czernowitz / Cernăuţi war unter der rumänische Herrschaft  leicht geändert worden. Aus dem Stadttor war eine zweitürmige, silberne Festung in Rot geworden, in deren Torbogen ein schwarzer Auerochsenkopf, das Symbol der Moldau, schwebte, von einer goldenen Rose und einer goldenen Mondsichel beseitet. Zwischen den Hörnern befand sich ein sechseckiger silberner Stern und über dem Tor eine goldene Rose. Der Schild wurde von einer silbernen Mauerkrone mit sieben sichtbaren Zinnen gekrönt.

Die sowjetische Periode (1940 -1991)

Nach der Eingliederung in die Sowjetunion  zeigte das Wappen der Stadt Czernowitz / Tschernowzi in Blau eine roten bezinnten Torbogen der mit dem Zeichen von Sichel und Hammer in Gold besetzt war. Im Torbogen wurde ein silbernes Gebirge sichtbar, darunter grüne Buchenblätter und zwei horizontale Wellenlinien in Silber.

 Rumänische Periode (1918-1940)

Sowjetische Periode (1941-1991)

Wappen seit 1991


Die moderne Periode (seit 1991)

Das heutige Wappen von Czernowitz / Tscherniwzi lehnt sich an das alt-österreichischen Wappen an. In einem mit sieben Zinnen besetzten silbernen Stadttor in Rot schwebt der goldene Dreizack, das Symbol der Ukraine. Über dem Stadttor acht Steine in zwei Reihen, unter dem Stadttor zwei Lorbeerzweige, die von einem blau-gelben Band zusammen gehalten werden. Der Schild ruht auf einem goldenen Wappenmantel und wird vont einer silbernen Mauerkrone mit fünf sichtbaren Zinnen bekrönt.

Verschiedene Ausführungen des modernen Wappens von Czernowitz 

Das Rathaus von Czernowitz

Das 1843-1846 erbaute, aber erst am 20. März 1848 offiziell eröffnete Rathaus am Ringplatz/Zentralplatz, wurde von einem großen Doppeladler gekrönt, der - wie der "König der Lüfte" selbst - hoch über der Stadt zu schweben schien. Der Doppeladler ist seinem Wesen nach ein uraltes Schutzsymbol, weil seine beiden Augenpaare in alle Richtungen sehen können. In der ö.-u. Monarchie breitete er seine Schwingen über den Vielvölkerstaat aus - zusammen mit dem Porträt Franz Joseph I., des "alten Kaisers", war er wichtigstes Staatssymbol. 

Heute weht über dem Wahrzeichen der Stadt die ukrainische Flagge. Die Fassade trägt das Stadtwappen und eine Uhr, die auf besondere Weise schlägt. Täglich um 12 Uhr  erscheint auf dem Turm ein Mann in Huzulentracht, der mit einem Trompetensignal die Mittagsstunde angibt. Frühere Berichte sprechen davon, dass zur vollen Stunde die Trembita in die vier Windrichtungen geblasen wurde, während die Viertelstunden durch Pfiffe angezeigt wurden. 

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Photo by Lyuda Meshcheryakova


Ein wichtiger Faktor für die ukrainische Identität sind die ethnischen Minderheiten, deren bekannteste die Huzulen sind.

Zum Thema Czernowitz vgl. die instruktiven Websites:

http://www.czernowitz.de/ 
       http://de.wikipedia.org/wiki/Czernowitz     http://www.city.cv.ua/English/

Die Austria-Statue von Czernowitz und ihre Vorgeschichte

Anlässlich der Landesfeier zum 100-jährigen Jubiläum der Zugehörigkeit der Bukowina zu Österreich und der Gründung der Universität von Czernowitz wurde am 4. Oktober 1875 am damaligen Hauptplatz der Stadt eine große Austria-Statue enthüllt. Nach den zeitgenössischen Zeitungsberichten sollte sie über die ganze Stadt blicken. Die Linke der allegorischen Figur umfasste ein mit Efeu umwundenes Schwert, die Rechte hielt einen Palmzweig, der auf dem 1905 aufgenommenen Foto bereits fehlt. 

Austria-Statue
  -->    Bericht zur Landesfeier am 4. Oktober 1875 Statue der Austria am Austria-Platz (1875-1918)

 

Austria-Statue Czernowitz

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Das Denkmal wurde von dem in Wien geborenen Bildhauer Karl Peckary (1848-1896) geschaffen. Nach Arbeiten für das Wiener Arsenal und die Weltausstellung 1873 wurde Peckary im Alter von 24 Jahren zum Professor an der k.-k. Staatsgewerbeschule in Czernowitz ernannt. 

Ein genauer Bericht über die Beschaffenheit des Denkmals wurde am 29.September 1875 nach Wien telegrafiert und erschien am 2. Oktober 1875 in der "Neuen Freien Presse". Hier der Wortlaut (neue Rechtschreibung und Hervorhebungen vom Verfasser):

... Die Stadt Czernowitz, ihrer Anlage und Bauart nach eine der weitläufigsten und unregelmäßigsten Europas, besaß vor kurzem und besitzt im Grunde auch heute nur noch einen einzigen vollständig regulierten und ausgebauten Platz, den Ringplatz. Er allein ist von hübschen Häusern eingefasst und macht durch seine Größe, Regelmäßigkeit und Umgebung einen großstädtischen Eindruck. Er liegt überdies im Zentrum der Stadt, und hier erhebt sich auch das städtische Rathaus. Hier, im Zentrum allen Verkehrs, war der einzig richtige Platz für das Denkmal. Wird doch die Austria-Statue der einzige wertvolle künstlerische Schmuck der jungen Stadt sein und voraussichtlich für lange Zeit hinaus bleiben. Und seinem Schmuck, seinem Stolz und seiner Zierde pflegt man doch sonst den besten Platz anzuweisen und ihn an jene Stelle zu setzen, wo er am meisten gesehen werden kann...

Leider war die Majorität der Stadtväter - allerdings eine Majorität, welche die Minorität nur um eine Stimme überwog - anderer Ansicht. Geht man anderwärts von dem Grundsatze aus, ein Denkmal dahin zu stellen, wo die Umgebung seiner architektonisch würdig ist, so rückte man diesmal unser Denkmal als einen Vorkämpfer des Schönen in einer wüste Umgebung, damit diese hierdurch um so rascher schön werde. Außer dem Ringplatz besitzt Czernowitz nämlich noch einige unregulierte Plätze. Der größte unter ihnen ist der "Criminalplatz", so genannt von dem düstern Gebäude der Strafjustiz, welches sich da erhebt. Der größte, aber auch der abgelegenste und bis vor wenigen Jahren auch der wüsteste. In letzterer Zeit ward freilich einiges dafür getan. So ward dort das prächtige und stilvolle Regierungsgebäude gebaut, welches freilich mit seinen Nachbarn, elenden Hütten und Häuschen, in überaus schroffer Weise kontrastiert. Nun erhebt sich dort, ein noch grellerer Kontrast gegen die armseligen Baracken, das Austria-Denkmal. Der "Criminalplatz" wurde reguliert und in "Austriaplatz" umgetauft. Das erstere hat ihn wenig, das letztere gar nicht verschönert. Hoffentlich haben jene Herren mindestens richtig kalkuliert, und die Besitzer der Baracken gehen in sich und bauen an deren Stelle europäische Häuser hin. Hoffentlich!

Das Austria-Denkmal würde wenigstens diese Verschönerung seiner Umgebung redlich verdienen. Denn es ist ein schönes und wenn auch nicht geradezu meisterhaftes, so doch sehr gelungenes Werk. Das Erstlingswerk eines vielversprechenden Talents. Der Meister, Karl Peckary, Professor an der hiesigen, nebenbei bemerkt, ganz trefflichen Gewerbeschule, ist ein sehr junger Mann. Er ist 1848 in Wien geboren.

Das Monument, welches sich in der Mitte des Platzes erhebt und so gestellt ist, dass die Austria auf die Stadt, welche zu ihren Füßen den Bergabhang bedeckt, herabblickt, hat eine Gesamthöhe von etwa 26 Fuß (8,2 m). Es besteht aus einem Postamente, einem Basrelief und der Hauptfigur. Das Postament ist aus Bukowiner Schleifstein, einem genügend widerstandsfähigen Gestein, welches, anfangs grau, später unter dem Einfluss der Temperatur einen satten grünen Farbenton anzunehmen pflegt. Das Basrelief ist aus Bronze, die Hauptfigur aus trefflichem, feinkörnigen Carrara-Marmor. Diese Verschiedenheit des Materials und darum auch der Färbung lässt das Werk ganz eigenartig, aber durchaus nicht buntscheckig, sondern ernst und würdig wirken. Die Farben einen sich glücklich und harmonisch. 

Die Hauptfigur, etwa 7 ½ Fuß (2,37 m) hoch und aus einem prächtigen, 184 Zentner (9,2 t) schweren Marmorblock herausgehauen, ist eine Arbeit, welche volles und fast uneingeschränktes Lob verdient. Peckary hat die Austria als eine edle, schlanke, jugendliche Frauengestalt gefasst - schlanker und jugendlicher, als man die Figur gewöhnlich zu zeichnen und zu malen pflegt. Das Antlitz ist mehr lieblich als schön und hat den Ausdruck eines milden, hoheitsvollen Ernstes, der dabei fern von alles Düsterkeit bleibt. Die Züge sind durchgeistigt und schön belebt - in dieser Richtung unterscheidet sich das Werk des jugendlichen Meisters sehr glücklich von anderen Erzeugnissen moderner Bildhauerkunst. Die Gestalt steht schön und frei aufrecht und blickt sinnend vor sich hinab. Die Linke ruht, ganz leicht aufgestützt, auf dem Schild, auf welchem der Reichsadler prangt. In derselben Hand ruht das lorbeerumrankte Schwert. Die Rechte hält die Friedenspalme segnend über die Stadt gebreitet. Wie das Antlitz, so ist auch die Figur bei aller monumentalen Würde leicht und ungezwungen belebt.

Die Figur steht auf einem runden Sockel, um den sich ein Basrelief schlingt. Samt Deckgesims und Fuß aus Bronze ist das Basrelief etwa vier und einen halben Fuß hoch (1,42 m). Zehn, teils historische, teils symbolische Figuren, etwa drei Fuß (95 cm) hoch, sind darauf dargestellt. Das Basrelief, welches den Anschluss der Bukowina an Österreich behandelt, ist vortrefflich. Der Künstler hat jenes historische Ereignis durch folgende Figuren und in folgender Gruppierung vorgetragen: Maria Theresia, auf dem Throne sitzend, eine stattliche Frauengestalt mit majestätischen, porträttreuen Zügen, stellt die Bukowina (durch eine liebliche Kindergestalt verbildlicht) unter den Schutz der Austria, einer ernsten, anmutigen Gestalt, welche liebreich auf das Kind herabblickt. Am Throne der Kaiserin steht eine schlanke, stolze Mannesgestalt, Joseph II., als Mitregent, mit jugendlichen, gleichfalls ziemlich porträttreuen Zügen. Dies die Hauptgruppe. Daran schließen sich (im Gefolge der Austria) jene Gewalten, denen die Erwerbung gelungen: die geistige Gewalt (ernste Frauengestalt, der ein Stern über dem Haupte glänzt) und die materielle Gewalt (ein sehr, vielleicht etwas zu kräftiger Herkules mit der Keule), ferner die Figuren der Gerechtigkeit und der Geschichte, Themis und Klio*), endlich jene der Kunst und Wissenschaft. Sie sind paarweise zu einander in Beziehung gebracht und schreiten, wie erwähnt, gleichsam im Gefolge der Austria einher.

Auf der Hauptfront des Denkmals steht auf der großen Schriftplatte in deutscher Sprache: "Der Vereinigung der Bukowina mit Oesterreich." In den kleinen Platten sind die Jahreszahlen der Erwerbung und des Jubiläums eingefügt: 1775, 1875. Dieselbe Inschrift wiederholt sich auf der rechten und linken Seitenfront in ruthenischer und rumänischer Sprache. Auf der vierten Seite steht die Jahreszahl und der Name des Meisters: Professor Karl Peckary fecit.

Die Gerechtigkeit erfordert es, auch derjenigen zu gedenken, welche ihm als Hilfsarbeiter zur Seite gestanden. Die Hauptfigur wurde nach dem halb naturgroßen Hilfsmodelle von Peckary selbst in Marmor punktiert und ausgeführt von dem Bildhauer Carl Worak aus Wien. Architekt Carl Hofer übernahm nach einer Zeichnung des Meisters die architektonische Gliederung des Postaments, welches von dem Steinmetz Carl Hoffmann sauber ausgeführt wurde. Das Basrelief wurde nach einem naturgroßen Modell in der Gießerei von Carl Turbain zu Wien trefflich gegossen und ziseliert. 

*) Themis, eine der Titaninnen, galt als Göttin der gesetzlichen Ordnung und des Rechts. Als erste Gattin des Zeus war sie Mutter der Horen (Göttinnen der Jahreszeiten) und der drei Moiren (Schicksalsgöttinnen). Sie wohnt mit auf dem Olymp und beruft hier auf Befehl von Zeus die Götter zur Versammlung, empfängt sie bei dem Göttermahle und hält auf Ordnung und Sitte, außerdem ordnet sie die Volksversammlungen und löst sie auf. Als Beschützerin über die göttliche und natürliche Ordnung kennt sie aber auch die Zukunft und verkündet sie den Menschen. Sie soll deshalb einst Inhaberin des delphischen Orakels gewesen sein. 
Klio
(die Rühmerin), eine der neun Musen, war die Muse der Heldendichtung und Geschichtsschreibung.

Karl Peckary hatte kein leichtes Schicksal. Er gewann den ersten Preis der anlässlich der 100. Wiederkehr des Todes von Mozart 1891 veranstalteten Ausschreibung für das Mozartdenkmal am Albertinaplatz (seit 1953 im Burggarten). Das von ihm eingereichte Modell war eine 68 cm hohe, 25 kg schwere, von Carl Turbain (siehe oben) gegossene  Bronzestatuette, die den dirigierenden Mozart stilvoll darstellt. Wie dies in Wien öfters der Fall ist (vergleiche die Geschichte des Renner-Denkmals im Rathauspark), wurde nach politischen Interventionen ein Freund und Kollege Peckarys, der damals sehr beliebte Viktor Tilgner (1844-1896) mit der Ausführung betraut. Nach einer Biographie Peckarys erkannte Tilgner, dass ihm zwar der Kopf, nicht aber die Figur Mozarts gelungen war und erlitt noch vor der Einweihung des Denkmals einen Schlaganfall, an dessen Folgen er fünf Tage vor der Enthüllung verstarb. Peckary wiederum, der später in Graz das Kaiser-Josef-Denkmal geschaffen hatte, konnte die Schmach der Zurücksetzung nicht verwinden und nahm sich das Leben, wozu auch der Tod seines noch nicht ein Jahr alten Kindes beigetragen haben mag.  


Das Austria-Denkmal von Czernowitz wurde 1918 von den rumänischen Besatzern entfernt, der Torso der Statue tauchte jedoch im Mai 2003 bei Kanalarbeiten unter dem Betonboden im Hof eines Bankgebäudes (früher Gewerbemuseum) wieder auf. 

Statue

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Torso "in situ", beim Abtransport, Detail (Collane des Ordens vom Goldenen Vlies), nach der Bergung

Zwei bildende Künstler, Abbé Libansky und Barbara Zeidler, haben eine internatonale Aktion gestartet, die die Bedeutung dieser Statue als Brücke zwischen den Völkern und Kulturen mit modernen Mitteln darstellen soll. Näheres findet sich auf der Website des Instituts für kulturresistente Güter.

Aktion Brücken:Schlag

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Die wieder aufgefundene "Austria von Czernowitz" wird heute als historisches Symbol der freundschaftlichen Verbundenheit zwischen Wien und Czernowitz angesehen. Sie soll mithelfen, Brücken in die Zukunft zwischen der Ukraine, Österreich und dem westlichen Europa zu schlagen.  

Statue


10 Kopien der "Austria"  treten Ihre Reise zur Bearbeitung durch internationale KünstlerInnen an. 
2007 werden sie als völkerverbindende Installationen der Hauptstadt der Ukraine übergeben werden. 

Reise

 

Die Ukraine ist ein europäisches Land - ihre Orientierung auf Europa ist deutlich zu spüren. 

Aktuelle Literatur:

à Helmut Braun (Hg.) Czernowitz - Die Geschichte einer untergegangenen Kulturmetropole, Ch. Links Verlag, Berlin September 2005, 181 Seiten, zahlreiche Abbildungen, EUR 29,90 -  bei Amazon kaufen

à
Evelyn Scheer / Gert Schmidt, Die Ukraine entdecken, Trescher Reihe Reisen, Berlin  2004, 508 Seiten, 
EUR 19,95 -
bei Amazon kaufen
 
à
Reinhold Czarny/Oksana Nakonechna: Foto-DVD und Film-DVD über Czernowitz: http://www.mythos-czernowitz.eu/

 
Weitere Websites zum Thema Ukraine und Czernowitz:

Osteuropa-Info: http://www.osteuropa-infoseite.de/ukraine.htm
Bukowina-Forschungszentrum Czernowitz: http://hosted.sacura.net/oldfriends/bz/Deutsch/zag_inf.html
Neuere Geschichte: http://www.ukraina.at/geschichte.html 
Religion und Zeittafel: http://www.ukremb.at/aktuell/allgemei.htm
Offizielle Stadt-Site: http://www.city.cv.ua/flash/English/index_bis.html 
Symbole der Regierungsbezirke der Ukraine

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